Blutgruppen

Blutgruppen, Differenzierung des Blutes nach Typen, eingeteilt nach immunologischen (antigenen) Eigenschaften, die durch spezifische Substanzen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen bestimmt werden. Die Blutgruppen sind genetisch festgelegt und zeichnen sich jeweils durch das Vorhandensein eines bestimmten komplexen Kohlenhydrats aus. Es wurden etwa 200 verschiedene Blutgruppensubstanzen identifiziert und in 19 bekannte Blutgruppensysteme eingeteilt. Das am häufigsten anzutreffende Blutgruppensystem ist das ABO- oder Landsteiner-System. Individuen können die antigenen Substanzen A, B oder sowohl A als auch B enthalten oder auch nicht (Typ O). Im ABO-System entwickelt eine Person, der eines oder mehrere dieser Antigene fehlen, kurz nach der Geburt spontan die entsprechenden Antikörper (Agglutinine). So wird eine Person mit Blutgruppe A auf natürliche Weise Anti-B-Agglutinine, eine Person mit Blutgruppe B Anti-A-Agglutinine und eine Person mit Blutgruppe O Anti-A- und Anti-B-Agglutinine produzieren; eine Person mit Blutgruppe AB wird in diesem Blutgruppensystem jedoch keine Agglutinine produzieren. Da diese Agglutinine immer im Blut vorhanden sind, muss bei einer Bluttransfusion das Spenderblut mit dem Blut des Empfängers kompatibel sein, d. h. das Spenderblut darf kein Antigen enthalten, das dem Antikörper des Empfängers entspricht. Andere Blutgruppensysteme wie die MNS-, Lewis-, Lutheran- und P-Systeme sind bei der Transfusion nicht so wichtig, da sie sich wie echte Antigen-Antikörper-Systeme verhalten, d. h. Antikörper treten im Blutplasma erst dann auf, wenn die Person durch den Kontakt mit den anderen Blutgruppenantigenen wie bei früheren Transfusionen immunisiert worden ist. Im Allgemeinen handelt es sich bei den Blutgruppensubstanzen um schwache Antigene, und die Bildung von Antikörpern nach Transfusionen tritt in weniger als 3 % der Fälle auf. Eine Immunisierung kann sowohl durch eine Schwangerschaft als auch durch eine Transfusion erfolgen. Beim Rh-Faktor-Blutgruppensystem produziert eine Rh-negative Mutter, die einen Rh-positiven Fötus austrägt, Anti-Rh-Antikörper gegen die roten Blutkörperchen des Fötus, die die Plazenta passieren. Da es sich bei der Blutgruppe um ein genetisches Merkmal handelt, das sich leicht testen lässt, und die Blutgruppe einer Person nach den Gesetzen des Mendelismus (siehe unter Mendel, Gregor) mit den Blutgruppen der Eltern verwandt ist, wird die Blutgruppenbestimmung rechtlich zur Feststellung der Vaterschaft verwendet. Anthropologen nutzen die Häufigkeit des Auftretens verschiedener Blutgruppen als Instrument zur Untersuchung der rassischen oder stammesgeschichtlichen Herkunft.

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